Die Idee
Am Anfang stand die Idee. Endlich mal was Unkommerzielles mit fast unbekannten Autoren sch
reiben, ohne dass Margen, Abverkaufspreise und Auflage eine Rolle spielen. Ganz nach dem Geschmack eines Kleinverlags. Den Ausschlag gaben zwei Gespräche mit Großhandelsprofis während der Leipziger Buchmesse 2010, bei denen unterm Strich herauskam, dass die Kriterien für die Buchauswahl im Buchhandel lauten: 1. welcher Verlag, 2. Höhe des Verkaufspreises, 3. Höhe der Auflage, 4. Covergestaltung, 5. Name des Autors. Ein Satz, der mir ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf ging, war: “Das Cover spricht nicht an.” Es handelte sich dabei um das Cover der “Saga der Drachenschwerter”, das der Künstler Boris Budisa entworfen hat. Nun ja – über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber wenn man selbst damit nichts mehr reißen kann …
Frei von
all diesen Zwängen lässt es sich jedoch prächtig schreiben, selbst in einem professionellen Kleinverlag! Ganz so radikal wie anfangs gedacht wurde die Idee dann aber doch nicht umgesetzt. Das Prinzip “Reclam” wurde nach einigen Diskussionen wieder verworfen, weil die Autoren zu Recht ihre Texte nicht in einer derart schlichten Verpackung sehen mochten. Und da der Lit.Limbus nicht nur die literarische Vorhölle bezeichnet, sondern ganz besonders für die unbekannteren Autoren konzipiert wurde, lasse ich mir das auch eingehen. Weiterhin war der ursprüngliche Gedanke, die Serie nur als eBook herauszugeben, aber hierzulande ist man definitiv noch nicht so weit. Texte wollen nach wie vor “mit allen Sinnen” gelesen werden, und so ist das eBook eine Beigabe für alle, die auch unterwegs nicht auf ihre monatliche Dosis Lit.Limbus verzichten möchten.
Der Name Lit.Limbus stammt übrigens von Harry Michael Liedtke. Und er ist es auch, der die
metaphysische Rahmengeschichte im Literatenhimmel zu den Romanen verfasst. Dass es dabei eher heiter zugeht, während die Haupttexte sich ganz ernsthaft in allen Genres bewegen, ist beabsichtigt. Nicht umsonst sagt Mark Twain zu dem eben eingetroffenen toten Literaten: »Endlich mal jemand, mit dem man sich über neuere amerikanische Literatur unterhalten kann. Wissen Sie, John«, raunte er seinem Begleiter hinter vorgehaltener Hand zu, während sie über den breiten Kiesweg zum Haupthaus schlenderten, »wir haben so viele Deutsche hier. Bei denen geht’s immer bloß um Gott, Tod und Ehre. Heavy stuff. Tiefsinnige Grundsatzphilosophie und so. Blutiger Ernst, nichts zu lachen. Außerdem sind die Krauts immer so rechthaberisch.« »Manche Dinge ändern sich nie«, scherzte John. Sie prusteten und hörten damit bis zur Eingangstür nicht wieder auf.
Lassen wir es also lässig angehen und erfreuen wir uns an der luftigen Leichtigkeit neuer Literatur der noch unbekannten Autoren.
